19. Gemeindehaus (Philipp-Nicolai-Haus)
Wimmelbild Mühlhausen/Uelzen
Benannt nach einem Unnaer Pfarrer, gehört das Gemeindehaus zur evangelischen Kirchengemeinde. Ein Ort für Gottesdienste, Gruppentreffen und Geselligkeit.
Philipp Nicolai tat gerade ein Jahr seinen Dienst als Pfarrer an der Stadtkirche, als 1597 die Pest rund die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner Unnas dahinraffte. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung verfasste der damals 43-Jährige aus Nordhessen 1599 sein Werk „Freudenspiegel des ewigen Lebens“. Wahrscheinlich wollte der Pfarrer den Menschen damit neuen Mut zusprechen und Hoffnung schenken.
Nach Philipp Nicolai ist das Gemeindehaus in unserem Doppeldorf (Zum Osterfeld 5) benannt. Es gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Hemmerde-Lünern. Im April 1979 wurde das rot verputzte Gebäude mit vielen Gruppenräumen, einer Küche und einem großen Saal eingeweiht, der jedes Jahr an Heiligabend „aus allen Nähten platzte“, wenn die Kinder dort ihr Krippenspiel aufführten.
Anfangs erstreckten sich um das Gemeindehaus noch große, kahle Grünflächen – bis 65 Familien aus Mühlhausen-Uelzen Geld für Bäume und Sträucher spendeten und beim Einpflanzen mit anpackten. So entstand südlich des Gemeindehauses ein kleines Wäldchen, von dem heute leider nur noch wenige Bäume erhalten sind.
Seitdem hat sich viel verändert. Aufgrund sinkender Gemeindegliederzahlen und hoher Kosten beschloss die Kirchengemeinde 2015, das Philipp-Nicolai-Haus zu verkaufen. 2016 wurde es im Rahmen eines Gottesdienstes geschlossen. Rolf Kuhlmann aus Uelzen kaufte die Immobilie für einen Euro, baute sie zu einem Haus mit acht barrierefreien Wohnungen um und stellte der Gemeinde einen Teil des Gebäudes 2018 wieder zur Verfügung.
Die kirchlichen Räume sind zwar deutlich kleiner als früher, dafür aber topmodern. Der Veranstaltungssaal für rund 60 Personen ist mit einer eingebauten Leinwand, einer dimmbaren Beleuchtung, einem E-Piano sowie einer Lautsprecheranlage samt Mikrofon ausgestattet. Außerdem gehören eine Küche mit verschließbarer Durchreiche, ein kleines Büro, Materialräume und eine barrierefreie Toilette dazu. Für Feiern und andere Veranstaltungen können die Räume gemietet werden.
Im Eingangsbereich des Gemeindehauses hängen übrigens, sorgsam in stabilen Holzrahmen eingefasst, die bunten Fensterscheiben des alten Gemeindehauses – und ein Bild von Philipp Nicolai.
Mehr Infos: www.hemmerde-luenern.de

Das Philipp-Nicolai-Haus im Sommer 1986 (Foto: Wilhelm König, Sammlung Marawske, Bildband 1)

Die frisch gepflanzten Bäume und Sträucher südlich des Gemeindehauses im Frühjahr 1980 (Foto: Nils Cornelissen, Akte 7)