8. Mühlpfad

Wimmelbild Mühlhausen/Uelzen

Der Mühlpfad in Mühlhausen ist ein besonderer Ort – und das schon seit vielen Jahrhunderten. Der rund 700 Meter lange Weg mit seinen kleinen Abzweigungen führt zur Mühlhauser Mühle, der ältesten nachweisbaren Wassermühle Westfalens (siehe 15).

Gleich am Anfang, im Hof der ehemaligen Schule (siehe 12), entspringt der Mühlbach. Von hier aus schlängelt er sich durch die Landschaft, bildet später die Grenze zu Uelzen und mündet nach etwa fünf Kilometern in die Seseke. Gespeist wird er von bis zu 40 Quellen – damit gehört das Gebiet vermutlich zu den größten Quellregionen in ganz Nordrhein-Westfalen. Früher reichte seine Kraft sogar aus, um bis zu fünf Mühlen anzutreiben.

Wer heute über den Mühlpfad geht, erlebt vor allem Ruhe und Natur. An der ersten Brücke lag früher der sogenannte „Kolk“, eine ausgedehnte Wasserfläche. Nördlich davon soll sich das „Schloss“ der Ritter von Mülhusen befunden haben, während die Wiesen auf der Südseite als Mühlteich dienten.

Schon früh wurde erkannt, wie besonders dieses Gebiet ist: 1951 stellte der Kreistag den „Landschaftsteil Mühlenbach und Mühlpfad“ unter Schutz – wegen seiner Bedeutung für Natur, Geschichte und das Ortsbild. Kurz darauf wurde der Weg befestigt – zunächst mit Asche, später mit Schotter, den engagierte Helfer mühsam mit Schubkarren heranschafften.

Auch in den folgenden Jahren blieb der Mühlpfad im Fokus: 1979 wurde er als einer der reizvollsten Bereiche im Dorfkern hervorgehoben, den es unbedingt zu erhalten gilt.

Dennoch hinterließen Stürme und Veränderungen ihre Spuren. 1983 wurde eine etwa 80 Jahre alte Weide zerstört, Brücken mussten erneuert werden. Trotz allem ist der Mühlpfad bis heute ein lebendiger Naturraum geblieben. Zahlreiche Quellen entspringen hier, Bäume und Pflanzen prägen das Bild.

Immer wieder rückt der Weg auch in jüngerer Zeit in den Blickpunkt – etwa 2004, als er landesweit als schützenswert hervorgehoben wurde, oder bei Fotowettbewerben. Zugleich zeigt sich, dass sich auch diese Landschaft verändert: 2016 musste eine große, alte Schwarzpappel aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

So ist der Mühlpfad bis heute weit mehr als nur ein Weg. Er erzählt von der Vergangenheit des Ortes und macht zugleich deutlich, wie wichtig es ist, solche besonderen Landschaften zu bewahren.

Mühlpfad 1937

Der Mühlpfad im Juni 1937. Aufnahme von Lehrer Emil Friederichs. (Sammlung Marawske Bildband 1)

Mühlbach Freilegung

März 1990. Das verrohrte Stück des Mühlbachs nahe beim Quellenweg wird in einer Gemeinschaftsaktion freigelegt. Der Heimatverein stiftet anschließend die Holzbrücke über den Bach und montiert sie. Blick nach Osten zur Heerener Straße. Von links: Ortsvorsteher Heinz Mertens, Horst Bestmann, ??, Helmut Thomas, Josef Cornelissen. (Sammlung Marawske, Bildband 5)