Die Quellendörfer

Blick auf Mühlhausen und Uelzen

Quellgebiet Mühlhausen/Uelzen

In den Dorfkernen von Mühlhausen und Uelzen und dem Gebiet unmittelbar nördlich davon entspringen über 40 Quellen. Der Bereich umfasst etwa 145 ha und gilt als das zweitgrößte Quellgebiet von Nordrhein-Westfalen.

Die südlich von hier am Haarstrang versickernden Niederschläge werden durch schräg nach Norden abfallende Bodenschichten hierhin geleitet, wo sie in verschiedenen Formen zutage treten. Charakteristisch für Mühlhausen/Uelzen sind die „Rohrquellen“ oder „Bohrlöcher“, die vom Menschen künstlich angelegt wurden. Wo man Wasser brauchte, rammte man Rohre in den Boden, durch die das unter Druck stehende Wasser nach oben gefördert wurde. Bohrlöcher wurden aber auch „geschlagen“, um das Wasser auf Flächen mit mehreren kleinen Quellen konzentriert abzuleiten und diese so trocken zu legen.

Laut den Aufzeichnungen des verstorbenen Heimatforschers Hans Joachim Marawske gab es damals allein im Ortskern von Mühlhausen und der nächsten Umgebung 16 Einzelquellen, dazu „mehrere“ Quellen in den Wiesen beiderseits des Mühlbachs in der Dorfmitte. Im vergangenen Jahrhundert wurde eine Anzahl der Quellen verrohrt oder zusammengefasst, weil sie den Menschen lästig waren.

Im Lauf des Jahres lässt der Wasserdruck erheblich nach, so dass jeweils zum Ende des Sommers die meisten Quellen trocken fallen und erst gegen Jahresende wieder sprudeln. Die reichhaltige Natur in den beiden „Quellendörfern“ beruht vor allem auf dem Wasservorkommen infolge der Quellen.

Das Bimbergtal

Zu Spaziergängen und Radtouren lädt das südlich der B 1 gelegene Bimbergtal ein, das leider durch das 1970 eingeweihte Teilstück Unna-Werl der Kasseler Autobahn etwas verlärmt ist. Lünerner und Kessebürener Bach durchfließen das ansonsten reizvolle Tal, das darüber hinaus mit Bodenschätzen gesegnet ist. Schon 1856 wurden hier bei Bohrungen Eisenerz und Kohle gefunden. Aus dem Lehm im Bimbergtal wurden früher vor Ort als sogenannter Feldbrand die Backsteine für die Häuser in Mühlhausen gefertigt.

Ehemalige Steinbrüche im Bimbergtal
Ehemalige Steinbrüche im Bimbergtal

Die ehemaligen Steinbrüche dort – schon Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie nicht mehr in Betrieb – bilden heute seltene geologische Schaufenster in die Kreidezeit vor 90 Millionen Jahren. In ihnen lassen sich noch interessante Versteinerungen finden, vor allem die Muschel Inoceramus lamarcki.

Unna beteiligte sich mit den Steinbrüchen im Bimbergtal und Kessebürener Bachtal am „Tag des Geotops“. Der Heimatverein stellte bei dem Steinbruch auf der Westseite des Weges durch das Bimbergtal eine vom Geologischen Dienst NRW konzipierte Infotafel auf. Die Steinbrüche im Bimbergtal gehören zu einem der etwa 25 Geotope, die in NRW der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Der Folkbrachtstein – 1.111 Jahre Mühlhausen

Am 4. August 2001 weihte der Heimatverein unter Mitwirkung des „Sängerbundes Mühlhausen-Uelzen“ in Mühlhausen am sogenannten 1. Scheidtweg (zwischen Heerener Straße und Nordlünern) den „Folkbrachtstein“ ein. Er soll an die erste Erwähnung Mühlhausens vor 1111 Jahren erinnern. Gleichzeitig soll damit des ersten namentlich bekannten Einwohners von Mühlhausen gedacht werden.

Der Folkbrachtstein
Der Folkbrachtstein

Beide sind nämlich in einem Verzeichnis der einst berühmten Benediktiner-Abtei (Essen-)Werden angegeben, dem lateinisch abgefassten „ältesten Urbar“. Darin sind die der Abtei gehörenden Grundstücke aufgeführt und die Abgaben, die die Pächter jährlich zu erbringen hatten. Der den Brukterergau einschließlich Mühlhausen betreffende Teil des Urbars ist um das Jahr 890 entstanden. Bezüglich Mühlhausen lautet die Eintragung, übersetzt ins Deutsche:

Im Brukterergau im Dorf Mulinhusun hat Folkbracht für eine halbe Hufe jährlich 10 Scheffel Gerste, 10 Scheffel Roggen, 8 Denare Heerschilling und 2 Scheffel Mehl zu leisten. Dieses zum Kauf von Salz.

Der dickste Baum seiner Art in NRW

Im Jahr 2021 wurde die Platane „Platanus × hispanica“ von dem Baum-Experten Christoph Michels erneut vermessen. Danach ist sie mit 765 cm Stammumfang – gemessen auf der international üblichen Höhe von 130 cm – die dickste bisher bekannte Platane in NRW. Auch ihre anderen Maße sind beeindruckend: 42 m hoch bei einem Kronendurchmesser von 32 m.

Champion-Tree: Platane in Mühlhausen/Uelzen
Champion-Tree: Platane in Mühlhausen/Uelzen

Seit dem 13. August 2013 ist sie als solche aufgelistet im deutschen Register der Champion Trees, gemeinsam geführt von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft und der Gesellschaft Deutsches Arboretum, Mitglieder des European Champion Tree Forum (www.championtrees.de). Schon seit Ende Juli 2013 ist sie auf der Webseite „Die stärksten Bäume in NRW“ ihres Entdeckers Christoph Michels aufgeführt (www.starke-bäume.de).

Bisher war schon bekannt, dass diese Platane der dickste Baum im gesamten Kreis Unna ist und möglicherweise auch der höchste. Sie steht als Naturdenkmal unter besonderem Schutz, ebenso wie fünf weitere Bäume im Gebiet von Haus Heyde. Das Alter von drei der fünf Bäume wird auf jeweils 250 bis 300 Jahre geschätzt.

Unnas Mittelpunkt

Der Zufall wollte es, dass der geographische Mittelpunkt der Stadt Unna – in den Grenzen seit der Neuordnung zum 1.1.1968 – in Uelzen liegt, nur 200 m von der Grenze zu Mühlhausen, und zwar an einer ganz besonderen Stelle: am Hellweg, einem Jahrtausend alten Verkehrsweg; neben der ersten Bahnlinie unseres Raumes, der 1855 in Betrieb gegangenen „Hellweg-Eisenbahn“; nahe geschichtsträchtigen Stätten; an einer der großen naturräumlichen Grenzlinien Europas; mit einem prächtigen Blick in die Landschaft, vor allem auf das 200 ha große Naturschutzgebiet „Uelzener Heide/Mühlhauser Mark“.

Unnas Mittelpunkt in Uelzen
Unnas Mittelpunkt in Uelzen