Rotkehlchenhain
Eine Naturschutzfläche des Heimatvereins Mühlhausen/Uelzen
26.563 m² · erworben 10.12.1992
## Maßnahmen
– Tümpel (625 qm) – Feldgehölze – Streuobstwiese mit Baumpatenschaften (34 Bäume) – Benjeshecken – extensive Mähwiese – Schwarzpappeln (reine Populus nigra subsp. nigra) – Wildobst (Mispeln, Quitten, Ebereschen, Kornelkirschen)
Dieser ehemalige Acker in der Größe von 26.563 qm (etwa 300 m lang und 85 m breit) wurde am 10.12.1992 vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) Kreisverband Unna e. V. in Verbindung mit dem Heimatverein Mühlhausen/Uelzen für Zwecke des Natur- und Landschaftsschutzes erworben.
Möglich wurde der Kauf durch viele Spenden Natur liebender BürgerInnen und durch die Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Das Flurstück, das auf der Nordseite durch den in Nordlünern entspringenden Ahlbach begrenzt wird, nennt sich „Auf´m Ahlbach" und liegt 71 m hoch.
Der Name „Rotkehlchenhain" wurde vor allem deswegen gewählt, weil das Rotkehlchen „Vogel des Jahres" 1992 war. Die Übernahme der Fläche erfolgte im August 1993 nach dem Abernten der Wintergerste.
Bereits am 2. Januar dieses Jahres, am „Tag der Weide" 1993, waren am Ahlbach entlang rund 100 Bäume und Sträucher gesetzt worden, davon 12 Kopfweiden.
Anfang 1994 wurde im Westen als Abgrenzung zum Nachbargrundstück eine sogenannte Benjeshecke angelegt (Totholzstreifen mit Büschen und einzelnen Bäumen); später folgte am Weg entlang eine weitere Benjeshecke.
Der Kreis Unna ließ den etwa 625 qm großen und 2,50 m tiefen Teich anlegen (Fertigstellung am 1.3.1994). Am 11./12.3.1994 wurde im Osten zur Straße hin ein Feldgehölz mit rund 750 Bäumen und Sträuchern angelegt und der aus dem Aushub des Teiches bestehende Wall bepflanzt.
Am 3.12.1994 wurde von 28 Baumpaten eine Streuobstwiese mit 34 hochstämmigen Obstbäumen angelegt (14 Äpfel, 12 Birnen, 3 Kirschen, 5 Zwetschen). Gleichzeitig wurde am Weg entlang nach Westen hin Wildobst gepflanzt (Mispeln, Quitten, Ebereschen und Kornelkirschen). Westlich des Walls wurden am selben Tag 3 große Stieleichen eingesetzt. Den größten Teil des Pflanzgutes stellte der Kreis Unna zur Verfügung. Später wurden aus verschiedenen Anlässen noch mehrere Obstbäume hinzugepflanzt.
Im Südwesten des Grundstücks wurde 1994 eine Anzahl Eschen gepflanzt, vor allem als Hinweis darauf, dass sich im Gebiet nördlich der beiden Ortskerne bei „Potenzieller natürlicher Vegetation" (wenn der Mensch nicht eingreifen würde) laut Professor Ernst Burrichter ein „Eschen-Auenwald mit Tendenz zum Eichen-Hainbuchenwald" ausbreiten würde, der in der Westfälischen Bucht mit nur 0,2 % Anteil höchst selten ist. Im Geographisch-landeskundlichen Atlas von Westfalen von 2006 wird dieses seltene Gebiet als „Traubenkirschen–Erlen–Eschen–Auenwald" klassifiziert. 12 der 1994 gepflanzten Eschen sind inzwischen (2014) hohe Bäume.
Zum Schutz der Obstbäume vor Mäusefraß wurden drei lange Stangen als Ansitz für Greifvögel aufgestellt sowie Stein- und Holzhaufen als Unterschlupf für Wiesel, Iltis und Igel aufgeschichtet.
Der Großteil der Fläche ist seitdem Wiese, die – um eine große Artenvielfalt zu entwickeln – teils nur ein- oder zweimal im Jahr, teils nur alle drei Jahre gemäht wird. Seit einigen Jahren wird die gesamte Wiese in der Regel zweimal jährlich gemäht.
Im Winter 1994/95 wurden auf der Südseite des Ahlbachs neben dem Steinhaufen eine Anzahl Stecklinge der „reinen" Schwarz-Pappel (Populus nigra subsp. nigra) eingesetzt, die in NRW zu den „stark gefährdeten" Baumarten gehört. Sie stammen von einer Schwarz-Pappel etwa 700 m (Luftlinie) nordwestlich an der Brücke über den Ahlbach. Zwei der Stecklinge wurden später südlich des Teichs als einzeln stehende Exemplare umgepflanzt. Drei Exemplare stehen nebeneinander unmittelbar am Ahlbach. Alle fünf sind inzwischen hohe Bäume.
In Nord-Süd-Richtung laufen zwei Dränagen, die die südlich angrenzenden Äcker entwässern und in den Ahlbach münden. Ein Dränagestrang mündet bei den drei echten Schwarzpappeln, der andere weiter östlich etwa auf der Mitte von dort bis zur Heerener Straße.
Am 15./16.2.2008 wurde der inzwischen weitgehend zugewachsene Teich mit Hilfe von Albrecht Blotenberg aus der Mesenhofstraße als Baggerführer und der Tiefbaufirma Düchting freigelegt und erheblich vergrößert.
Vom 12. bis 15.8.2010 war hier unter großem Öffentlichkeitsaufgebot Staffelwechsel und Ruhepause für eine 220-köpfige Schafherde, die im Rahmen der Aktion „Europäischer Hirtenzug" von Berlin nach Brüssel wanderte.
Am 13.11.2011 wurden 28 Obstbäume fachmännisch beschnitten. Ab 2014 erhielten die Obstbäume, soweit die Sorte bekannt war, und andere bemerkenswerte Bäume ein metallenes Info-Schildchen mit Name und Pflanzdatum.
Mitte November 2014 wurden als Ersatz für eingegangene/beschädigte Bäume drei Apfelbäume gepflanzt: Luxemburger Reinette, Finkenwerder Herbstprinz (nördliche Reihe), Dülmener Rosenapfel und die Wangenheimer Frühzwetsche (südliche Reihe). Alle Bäume wurden vom Kreis Unna gestellt.
Das Grundstück ist Teil des 1997 festgesetzten, 200 ha großen Naturschutzgebietes „Uelzener Heide-Mühlhauser Mark".